Neubeurer Schützen um 1850
Votivtafel des Neubeurer Bürgers und Kupferschmiedes Joseph Mayr in Kirchwald
Ausschnitt aus der Votivtafel
Am 24. Oktober 1615, kurz vor dem 30-jährigen Krieg, gab Maximilian I umfassende Instruktionen über die Landfahnen heraus. Bei Kriegsbeginn gab es in Ober- und Niederbayern 33 Landfahnen. Die Neubeurer Schützen standen Gewehr bei Fuß und bewachten den Innübergang, so dass nur wenige Feinde eindringen konnten. Die Neubeurer Schützen gehörten sicherlich damals zum Kontingent der Landesdefension. Wie weit nun diese Neubeurer Schützen bereits organisiert waren, bleibt im geschichtlichen Dunkel. Eines ist erwiesen, dass sich diese freiwilligen Verbände immer in besonderen Gefahren zusammenscharten und dass Jung und Alt sich im Waffenhandwerk übte.
Der Spanische Erbfolgekrieg (1702 bis 1705) rief auch die Beurer wieder zu den Waffen. Jeder, der mit einem Geschoß umzugehen verstand oder mit Hacken, Gabeln, Schaufeln hantieren konnte, folgte dem Aufruf des Kurfürsten. Damals forderten die Brandschatzungen von Seiten der Tiroler die Übergriffe der Panduren die Neubeurer Bürger zur erhöhter Wachsamkeit und Verteidigungsbereitschaft auf.
Im Spanischen Erbfolgekrieg (1740) ging es wieder um die festen Plätze am Inn. Die ganze bayerische Südflanke von Reichenhall bis zum Inn wurde von schnell zusammengezogenen Einheiten der Landfahne verteidigt. Diese Truppenverbände genügten jedoch nicht, so dass freiwillige Gebirgsschützen-Verbände die Löcher gegen die "barbarischen" Feinde stopfen musste.
Wie dünn die Verteidigungslinie war besagt die Votivtafel (siehe Foto) von 1743, welche in der Kapelle von Kirchwald noch heute zu besichtigen ist. Auf dieser Tafel sind 21 Schützen dargestellt, die einen schier aussichtslosen Kampf kämpfen.
Der Krieg von 1805 gab erneut Gelegenheit, die Tradition der Neubeurer Gebirgsschützen unter Beweis zu stellen. Nun können wir mit gutem Grund von Neubeurer Gebirgsschützen sprechen. Zum ersten Mal spricht ein Erlass des Kurfürstlichen General-Comissariats vom 17.10.1805 von der Aufstellung eines Korps Bayerischer Gebirgsschützen.
Die Nachrichten über die Neubeurer Gebirgsschützen nach 1809 versagen so gut wie ganz. Fest steht, dass die Behörde versuchte, die Neubeurer Gebirgsschützen 1836 in einer Landwehr-Schützen-Kompanie zu erfassen. Das entsprach gar nicht der Aufgabe und Zielsetzung der Gebirgsschützen. Um 1870 wurde es still um die Gebirgsschützen-Kompanie. Der werdende Kleindeutsche Nationalstaat dachte großräumig. Die Gebirgsschützen-Kompanien passten wenig in die Konzeption der Politiker und Militärs. Schon am 21.12.1869 erfolgte durch König Ludwig II die formelle Auflösung der Gebirgsschützen-Kompanien.